PDF: Versorgung im stationären Hospiz

Versorgung im Hospiz.pdf

Eine Übersicht (geschichtlich, strukturell, finanziell) über die stationäre Palliativversorgung im Hospiz mit Schwerpunkt auf Hamburg.

Hospizbewegung (seit den Achtzigerjahren)
– bürgerliches, meist ehrenamtliches Engagement
– 1983 in Köln erste Palliativstation Deutschlands (Uniklinik)
– 1986 in Aachen erstes stationäres Hospiz (Haus Hörn)
– 1992 erste Palliativstation in Hamburg (AK Barmbek)
– 1997 erstes Hospiz in Hamburg (Hospiz Sinus Eimsbüttel)

Heute:
→ 1500 Hospizdienste
→ 214 Hospize + 14 Kinderhospize
→ 250 Palliativstationen
→ mehr als 270 PCTs
→ Pflegeheime mit palliativer / hospizlicher Expertise
→ insgesamt rund 10.000 Haupt- und Ehrenamtliche

Was ist ein Hospiz?

      Strukturell
– baulich, organisatorisch und wirtschaftlich selbständige Versorgungseinheit mit eigenem Personal
– fällt rechtlich unter das Heimgesetz → Pflegeeinrichtung
– 8 – 16 Betten (durchschnittlich: 10 Betten, 12 – 30qm )
Durchschnittliche Anzahl an Patienten im Jahr: 117
Durchschnittliche Verweildauer: 20 Tage
→ Auslastung / Belegung: durchschnittlich 80%

      Berufsgruppen
– Bestandteil eines ambulanten Hospizdienstes
– Palliativpflegekräfte (Stellenschlüssel ca 1:1)
– Allgemein- und Palliativmediziner
– Sozialtherapeuten / Psychologen
– additiv Physio- und Ergotherapeuten, Seelsorger etc.

      Zugangsvorrausetzungen
1.Progrediente Erkrankung
2.Heilung ausgeschlossen
3.Lebenserwartung von Tagen, Wochen, einigen Monaten
In der Rahmenvereinbarung explizit genannt:
– Krebserkrankungen
– Vollbild AIDS
– Erkrankungen des Nervensystems
– chronische Nieren-, Herz-, Verdauungstrakt- und Lungenerkrankungen
– Krankenhausbehandlung nicht erforderlich
– Palliativmedizinische, palliativpflegerische und/oder psychosoziale Versorgung, die aus der Krankheit resultiert, übersteigt die Möglichkeiten der Betreuenden, des Hausarztes, der SAPV und des Hospizdienstes
– Verlegung aus Pflegeheim grundsätzlich nicht möglich,(Einzelfallentscheidungen durch den MDK)
– Entlassung bei Stabilisierung
→ Wiederaufnahme (auch innerhalb eines Jahres) möglich
– keine Aufnahme „auf eigene Rechnung“ (widerspricht dem Hospizgedanken)

Finanzierung (gesetzlich)
– Kranken- und Pflegekasse (anteilig nach Pflegestufe)
– Sozialamt und Spendenfonds (bei Nicht-Versicherten)
tragen 90% des Tagespflegesatzes
→ 95% im aktuellen Gesetzesvorschlag vom 29.4.2015
→ 5 -10% der Kosten müssen durch Spenden (Schenkungen, Stiftungen etc.) erwirtschaftet werden

      Finanzierung (real)
Ehrenamtliche in der patientennahen Arbeit: 23
Ehrenamtliche, die andere Aufgaben übernehmen: 11
AnerkannterTagesbedarfssatz 228,00 €
Realer Tagesbedarfssatz 271,00 €
Realer Tagesbedarfssatz (mit ehrenamtlichen Leistungen, Gebäude und Grundstück) 330,00 €
-> Differenz: 102,00 €
→ Eigenleistung (Spenden und Ehrenamt): 35%

Tagesbedarfssätze je Gast in Hamburg (Stand 1.4.2014)
Diakonie-Hospiz Volksdorf 293,15 €
Hamburg Leuchtfeuer Hospiz 352,99 €
Hamburger Hospiz im Helenenstift 295,23 €
Hospiz am Israelitischen Krankenhaus 300,00 €
Hospiz Sinus Barmbek 259,60 €
Hospiz Sinus Othmarschen 259,60 €
Hospiz für Hamburgs Süden 281,50 €

Quellen:
– Zahlen zur Hospizarbeit (Vortrag, DHPV, 2011)
– Rahmenvereinbarung nach § 39a Abs. 1 Satz 4 SGB V über Art und Umfang sowie Sicherung der Qualität
der stationären Hospizversorgung vom 13.03.1998, i. d. F. Vom 14.04.2010
– Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland (Hospiz- und
Palliativgesetz – HPG), Stand 29.4.2015, Kabinettentwurf
– Ambulante Hospizdienste und stationäre Hospize vor existenziellen Problemen (DHPV, 13.03.2009)
– Tagesbezogene Bedarfssätze der stationären Hospize Stand 01.04.2015
(www.hamburg.de – abgerufen am 01.05.15)
– Eigenangaben zweier stationärer Pflegeheime in Hamburg (Stand 1.4.2015)

CC BY 4.0 PDF: Versorgung im stationären Hospiz von Nils Wommelsdorf ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung 4.0 international.

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